M. an Joachim Camerarius [in Leipzig].
- [Dessau], 23. November [1546]
[1] Eine der Ursachen des [Schmalkaldischen Krieges] ist die Verdrängung des Julius [Pflug vom Naumburger Bischofsstuhl]. M. riet davon ab [2829; 2835; 2839-2841; 2847.2], wurde aber von zwei [Hofräten] verspottet, deren Pflicht gewesen wäre, der blinden Gier des [Kf. Johann Friedrich von Sachsen] entgegenzutreten. M. wurde gegen seinen Willen von Luther zur feierlichen Einsetzung [des Nikolaus von Amsdorf] mitgenommen [⇨ 2880]. Dabei sah M. manches, was ihm mißfiel. Doch nach alledem wäre es schamlos, beim Triumph des [Julius Pflug] zu erscheinen, und würde auch vom Volk mißbilligt. Deshalb werden M. und [Georg] von Anhalt jetzt nicht nach [Halle oder Naumburg] kommen.
[2] M. ist aber entschlossen, nach Torgau oder Umgebung [zu Hz. Moritz von Sachsen] als Bittsteller zu gehen, obwohl er wenig Hoffnung hat. Das eigene Exil ist ihm gleichgültig, da er gern von der Bindung an den [kursächsischen] Hof befreit werden möchte. Doch für den Frieden in [Sachsen], das ihm nicht weniger als die [Pfalz] zur Heimat geworden ist, scheut er keine Mühe.
[3] In C.s Brief an Fürst [Georg] von Anhalt [vom 22.11.1546, bei ⇨ 4451] findet M. die Mitteilung erstaunlich, [Lgf. Philipp von Hessen] u.a. hätten geantwortet, man werde Verhandlungen über Frieden oder Waffenstillstand aufnehmen.
[4] Segenswünsche für Frau [Anna] und Kinder.
Fundort:
CR 6, 287f Nr. 3623; Cod.II, 239f; vgl. H.Scheible: Heidelberger Jahrbücher 12 (1968), 140f mit 158f Anm.37f [H4239].
‒ MBW.T 15.
Datierung:
Jahr: Eindeutig Schmalkaldischer Krieg, vgl. Pollet, Pflug-BW 2, 691ff, bes. 694f und 713-715 Nr. 341f.