M.: Denkschrift für die Turmknäufe des Wittenberger Schlosses. - [Wittenberg], 12. August 1558

[1] Gebet für die Stadt Wittenberg.

[2] Anlaß dieses Berichts ist die Baumaßnahme des Kf. August von Sachsen.

[3] Wittenbergs geographische Lage.

[4] Gründung durch Widukind ungewiß. Um 1180 übertrug Kaiser Friedrich I. die Kurwürde mit Gebieten um Wittenberg und bei Hamburg von Heinrich dem Stolzen [vielmehr dem Löwen] auf Bernhard von Askanien. Viele seiner Nachkommen sind in Wittenberg, der Hauptresidenz der Kurfürsten von Sachsen, bestattet,

[5] nämlich in der Franziskanerkirche die Gründerin Helena, Tochter Ottos von Braunschweig, ihr Gemahl Albrecht I., Heerführer unter Kaiser Friedrich II. in Ägypten vor Damiata (einst Pelusium), sein Sohn Albrecht II. mit Gemahlin Agnes, Tochter Kaiser Rudolfs, der die Pfalzgrafschaft Sachsen und die Grafschaft Brehna erhielt und bei Aken von den Magdeburgern geschlagen wurde. Ihr Sohn Rudolf I. besiegte die Magdeburger bei „Borkau“. Dessen Gemahlin Jutta, die Tochter Mgf. Ottos [V. von Brandenburg] und Mutter von Albrecht, Otto, Johann und Rudolf [II.], wurde im Chor bestattet. Rudolf II. wählte Karl IV. gegen Ludwig den Bayern zum Kaiser, zog nach Frankreich zu Kg. Philipp [VI.] von Frankreich und kämpfte gegen Kg. Edward [III.] von England (Kg. Johann von Böhmen ist in dieser Schlacht [bei Crécy-en-Ponthieu] gefallen, und die Engländer gewannen Calais); er brachte einen Dorn der Dornenkrone Christi mit und gründete das Kollegiatstift Wittenberg. Seine Gemahlin warAnna, die Tochter des Lgf. Balthasar von Thüringen [diese war vielmehr die erste Gemahlin Rudolfs III.]. Kf. Wenzel von Sachsen erlitt bei der Belagerung von Celle eine tödliche Verletzung. Seine Gemahlin Caecilia war die Tochter des Francesco [Carrara] von Padua. Kf. Rudolf III. vertrieb den Eb. von Magdeburg aus Belzig und Rabenstein. Seine Gemahlin war Barbara von Liegnitz-Brieg. Ihre Söhne Rudolf [vielmehr Siegmund] und Wenzel wurden in Schweinitz von einem einstürzenden Turm erschlagen. Der Kf. wurde von Kaiser Sigismund nach Böhmen entsandt, starb aber unterwegs. Als letzter Kf. von Sachsen aus dem Geschlecht [der Askanier] starb Albrecht III. nach einem Brand der Burg Lochau. Seine Gemahlin war [Offka], die Tochter des Hz. [Konrad III.] von Oels.

[6] 1423 wurde Mgf. Friedrich [der Streitbare] von Meißen durch Kaiser Sigismund Kurfürst von Sachsen; Wittenberg gehört seither den [Wettinern]. Kf. Friedrich III. [der Weise] zur Zeit Kaiser Maximilians förderte es besonders, erbaute das Schloß, die Schloßkirche, die Elbbrücke und gründete 1502 die Universität mit Professoren aus Leipzig und Tübingen.

[7] Hier publizierte 1517 Martin Luther aus Eisleben Thesen über Buße und Glauben und widerlegte die Irrtümer der Päpste und Mönche [Scholastiker], woraus die [Reformation] entstand. Das dem Kaiser Karl V. 1530 auf dem Reichstag in Augsburg übergebenes Bekenntnis (CA) wurde von M. aus Bretten verfaßt. Auch aus seinen anderen Schriften, die hoffentlich der Nachwelt erhalten bleiben, ist die Wahrheit der in Wittenberg vertretenen Lehre ersichtlich, der sich trotz Päpsten, Bischöfen und Kaiser Karl V. der Großteil Deutschlands und viele Ausländer angeschlossen haben.

[8] 1546 nach Luthers Tod verhängte Kaiser Karl die Acht über Kf. Johann Friedrich von Sachsen und Lgf. Philipp von Hessen. Die Ursachen des Krieges können [bei Johannes Sleidan, ⇨ 7492.1] nachgelesen werden. Krieg an der Donau [⇨ 4365 u. ö.]. Rückzug Johann Friedrichs [⇨ 4504].

[9] Wegen des Krieges zwischen ihm und Hz. Moritz von Sachsen zog Karl 1547 von Eger [⇨ 4699.4] bis an die Elbe bei Mühlberg oberhalb Torgau, wo Johann Friedrich in Gefangenschaft geriet [⇨ 4727 u. ö.]. Der Kaiser, Kg. Ferdinand und andere Fürsten lagerten im Universitätsdorf Piesteritz [⇨ 4868.1]. In Wittenberg waren die Kfn. [Sibylle] und ihre Söhne [Johann Friedrich d. M., Johann Wilhelm und Johann Friedrich d. J. von Sachsen]. Am 23. Mai ergab sich die Stadt um deren freien Abzugs willen. Hz. Moritz erhielt die mit ihr verbundene Kurwürde.

[10] Er regierte mild und verteidigte das Land gegen Mgf. Albrecht von Brandenburg[-Kulmbach].

[11] Nach seinem Tod 1553 [⇨ 6895ff] folgte sein Bruder Kf. August von Sachsen. Durch Einigung mit Hz. Johann Friedrich stellte er den Frieden her und erneuerte die Erbeinung von Sachsen, Brandenburg und Hessen mit Bekenntnis zur CA [⇨ 7066; 7454].

[12] Er regierte bislang ruhig und zeichnet sich durch persönliche Qualitäten aus. Dem Frieden diente auch die einstimmige Wahl Ferdinands zum Kaiser in Frankfurt[Main] in diesem Jahr 1558 [⇨ 8514.1; ⇨ 8567.2; ⇨ 8570.1].

[13] Gebet. Die vor der Belagerung zur Aufstellung von Kanonen abgebauten Turmhelme wurden 1558 auf Kosten des Kf. August errichtet.

[14] Den von M. verfaßten Text schrieb Paul Eber aus Kitzingen, Bugenhagens Nachfolger als Pfarrer von Wittenberg.

Fundort:
CR 9, 582-587 Nr. 6568.
Datierung:
Gelegentlich dieses Umbaus erhielt M. die steinernen Deckplatten der beiden Türme des Wittenberger Schlosses zur Pflasterung seiner Keller, wie Kf. August von Sachsen am 2. September 1558 an den Wittenberger Schösser Hieronymus Born schrieb: Dresden HSA, Cop. 277, f. 389r.

Normdaten
Personen:

Agnes von Habsburg: GND Hagrid

Albrecht I. von Sachsen: GND Hagrid

Albrecht II. von Sachsen: GND Hagrid

Albrecht III. von Sachsen: GND Hagrid

Albrecht von Brandenburg-Kulmbach: GND Hagrid

Anna, Lgfn. von Thüringen: GND Hagrid

August von Sachsen: GND Hagrid

Balthasar von Thüringen: GND Hagrid

Barbara von Liegnitz-Brieg: GND Hagrid

Bernhard von Askanien: GND Hagrid

Bugenhagen, Johannes: GND Hagrid

Eber, Paul: GND Hagrid

Edward III. von England: GND Hagrid

Ferdinand: GND Hagrid

Friedrich der Streitbare: GND Hagrid

Friedrich I., Kaiser: GND Hagrid

Friedrich II., Kaiser: GND Hagrid

Friedrich III. der Weise: GND Hagrid

Heinrich der Löwe: GND Hagrid

Heinrich der Stolze: GND Hagrid

Helena von Braunschweig-Lüneburg: GND Hagrid

Johann Friedrich d. Ä. von Sachsen: GND Hagrid

Johann Friedrich d. J. von Sachsen: GND Hagrid

Johann Friedrich d. M. von Sachsen: GND Hagrid

Johann von Böhmen: GND Hagrid

Johann von Sachsen: GND Hagrid

Johann Wilhelm von Sachsen: GND Hagrid

Jutta von Sachsen: GND Hagrid

Karl IV.: GND Hagrid

Karl V., Kaiser: GND Hagrid

Konrad III. von Oels: GND Hagrid

Ludwig von Bayern: GND Hagrid

Luther, Martin: GND Hagrid

Melanchthon: GND Hagrid

Moritz von Sachsen: GND Hagrid

Otto V. von Brandenburg: GND Hagrid

Otto von Braunschweig: GND Hagrid

Otto von Sachsen: GND Hagrid

Philipp VI. von Frankreich: GND Hagrid

Philipp von Hessen: GND Hagrid

Rudolf I. von Sachsen: GND Hagrid

Rudolf II. von Sachsen: GND Hagrid

Rudolf III. von Sachsen: GND Hagrid

Rudolf von Habsburg: GND Hagrid

Sigismund: GND Hagrid

Sleidan, Johannes: GND Hagrid

Wenzel von Sachsen: GND Hagrid

Widukind: GND Hagrid

Orte:

Calais: Geonames Hagrid

Crécy-en-Ponthieu: Geonames Hagrid

Leipzig: Geonames Hagrid

Mühlberg (Elbe): Geonames Hagrid

Tübingen: Geonames Hagrid

Wittenberg: Geonames Hagrid