[1] Gebet für die Stadt Wittenberg. Deren geographische Lage.
[2] Gründung durch Widukind ungewiß. Um 1180 übertrug Kaiser Friedrich I. die Kurwürde mit Gebieten um Wittenberg, bei Hamburg und das Hzt. Engern von dem Welfen Heinrich [dem Löwen] auf Bernhard von Askanien. Viele seiner Nachkommen sind in Wittenberg, der Hauptresidenz der Kurfürsten von Sachsen, bestattet.
[3] 1423 wurde Mgf. Friedrich [der Streitbare] von Meißen Kurfürst von Sachsen; Wittenberg gehört seither den [Wettinern]. Kf. Friedrich III. [der Weise] zur Zeit Kaiser Maximilians förderte es besonders, erbaute das Schloß und gründete 1502 die Universität mit Professoren aus Leipzig und Tübingen.
[4] Hier publizierte 1517 Martin Luther aus Eisleben Thesen über Buße und Glauben und widerlegte die Irrtümer der Päpste und Mönche [Scholastiker], woraus die [Reformation] entstand. Die Wittenberger Lehre ist aus der [CA] ersichtlich, der sich trotz Päpsten, Bischöfen und Kaiser Karl V. ein großer Teil Deutschlands und viele Ausländer angeschlossen haben.
[5] 1546 nach Luthers Tod verhängte Kaiser Karl V. auf Anstiften des Farnese-Papstes Paul III. während des Reichstags [von Regensburg] im Juli die Acht über Kf. Johann Friedrich von Sachsen, Lgf. Philipp von Hessen und ihre [Schmalkaldischen] Bundesgenossen. Krieg an der Donau [⇨ 4365 u. ö.]. Rückzug Johann Friedrichs [⇨ 4504], weil Hz. Moritz von Sachsen Zwickau erobert hatte.
[6] 1547 zog Karl von Eger [⇨ 4699.4] bis an die Elbe bei Mühlberg oberhalb Torgau, wo Johann Friedrich in Gefangenschaft geriet [⇨ 4727 u. ö.], aus der er erst 1552 entlassen wurde und am 13. September nach Saalfeld kam [⇨ 6565]. 1547 rückten der Kaiser, Kg. Ferdinand und andere Fürsten am 5. Mai in das Universitätsdorf Piesteritz ein [⇨ 4868.1]. In der belagerten Stadt Wittenberg waren die Kfn. [Sibylle] und ihre Söhne [Johann Friedrich d. M., Johann Wilhelm und Johann Friedrich d. J. von Sachsen]. Am 23. Mai ergab sich die Stadt um deren freien Abzugs willen. Hz. Moritz erhielt die mit ihr verbundene Kurwürde.
[7] 1553 verwüstete Mgf. Albrecht von Brandenburg[-Kulmbach], der Sohn Kasimirs, das Gebiet des Hz. Heinrich von Braunschweig[-Wolfenbüttel]. Die Schlacht [von Sievershausen] bei Hildesheim und der Tod des Kf. Moritz [⇨ 6893ff].
[8] Sein Bruder Kf. August von Sachsen regierte bislang ruhig, die Differenzen mit den verwandten [Ernestinern] wurden beigelegt und die alten Bündnisse erneuert [⇨ 7066; 7454]. In den Kirchen wird die Lehre der [CA] rein verkündet; der 72jährige Johannes Bugenhagen ist Pfarrer von Wittenberg.
[9] Die vor der Belagerung zur Aufstellung von Kanonen abgebauten Turmhelme wurden 1556 auf Kosten des Kf. August und der Stadt wieder errichtet. Gebet.