Kf. Johann Friedrich von Sachsen und Lgf. Philipp von Hessen im Einvernehmen mit ihren [Schmalkaldischen] Bundesgenossen an die Gff. Dietrich [IV.] von Manderscheid und Wilhelm von Neuenahr [nur letzterer in Schmalkalden]. [Mitvf. M.]. - [Schmalkalden, 11. April 1540]

[0] Dank an die Gff. und besonders an [Nikolaus] Granvella für ihre Friedensbemühungen, die zunächst Sibert von Lovenburg, später Neuenahr selbst übermittelt hatten.

[1.1] Versicherung, daß die Kirchenspaltung wegen unumgänglicher Differenzen über Lehre und Mißbräuche entstanden ist.

[1.2] Bitte an Granvella, beim Kaiser die Verleumdung zu entkräften, es ginge nur um die Kirchengüter.

[1.3] Es gab keine Übergriffe in fremdes Territorium, auch nicht der Bischöfe, die ihre Jurisdiktion selbst vernachlässigten; die Domkapitel sind unbehelligt. Andererseits werden den [evangelischen] Gemeinden Einkünfte vorenthalten, und die Domkapitel strichen ihre Beiträge zum städtischen Kirchen- und Schulwesen.

[1.4] Die Sequestration der Klöster wird auch von den Gegnern geübt, die dazu noch Pfarreien ausbeuten. Der Gewinn aus den Klöstern wiegt den Aufwand und die Anfeindungen nicht auf.

[1.5] Der Verdacht der Habgier besteht also zu Unrecht.

[1.6] Die Klöster leerten sich infolge der Evangeliumspredigt; die Mönche mußten abgefunden werden; doch gibt es auch noch evangelische Konvente. Die Fürsten mußten sowohl für die Abschaffung des Aberglaubens sorgen wie für die Verwaltung der verwaisten Klöster. Deren Einkünfte wurden Pfarreien, Spitälern und Schulen zugewiesen.

[1.7] Den Fürsten verblieb meist nur ein geringer Rest, der aber Pfarreien, Priestern und Stipendiaten zugutekommt. Dieses Vermögen kann durch Beschluß einer Synode für Kirchen, Schulen und Armenpflege eingesetzt werden, sofern die Gegenpartei dasselbe tut. Die Pflicht der Regenten zur Erhaltung von Christentum und Bildung.

[1.8] Die verheerende Kirchenpolitik der gegnerischen Fürsten und die Ungerechtigkeit des Reichskammergerichts.

[1.9] Die Kenntnis der Sachlage wird den Kaiser für die [Protestanten] einnehmen.

[2.1] Gegen den Vorwurf, das Angebot eines Konkordiengesprächs sei unaufrichtig und bezwecke Zeitgewinn,

[2.2] wird der Augsburger Reichstag [1530] rekapituliert

[2.3] mit den Vergleichsverhandlungen [⇨ 1025ff], deren Scheitern nun zu dem genannten Vorwurf führt.

[2.4] Er wird zurückgewiesen und das in Frankfurt[Main 1539, ⇨ 2160ff] und öfters gemachte Angebot eines Religionsgesprächs erneuert.

[2.5] Ein solches kann nicht, wie in Augsburg verlangt wurde, auf die Annahme menschlicher Autoritäten zielen.

[2.6] Vielmehr sind CA und Apologie als übereinstimmend mit der biblischen und altkirchlichen Lehre unaufgebbar.

[2.7] Über Adiaphora kann nach Übereinkunft in der Lehre verhandelt werden.

[2.8] Der Vorwurf von Irrlehren muß beim Kolloquium diskutiert werden.

[2.9] Die anstößige Verschiedenheit der Riten kann beseitigt werden.

[3.1] Bitte an Granvella, den Kaiser zum Frieden und zur Kirchenreform zu veranlassen. Vorbild Konstantin gegenüber den Donatisten. Das Verlangen nach dem in Frankfurt durch [Johann von Weeze] versprochenen Religionsgespräch [⇨ 2184.4] ist billig.

[3.2] Militärische Hilfe wurde nicht den Feinden des Kaisers, sondern dessen Truppenführern geleistet.

[3.3] Erneute Bitte um Granvellas Vermittlung beim Kaiser,

[3.4] insbesondere zur Einstellung der Kammergerichtsprozesse (Minden) gemäß den Frankfurter Verhandlungen mit Kf. [Ludwig] von der Pfalz und Kf. [Joachim II.] von Brandenburg [⇨ 2155.2].

Fundort:
CR 3, 989-1003 Nr. 1948; deutsche Fassung zuletzt Walch2 17, 338-353 Nr. 1299. ‒ MBW.T 9.
Datierung:
Datum laut Sleidan (Buch XIII Anfang). Die Vorbereitung dieser auch im Druck verbreiteten Schrift dauerte mehrere Wochen (⇨ 2390.3).

Normdaten
Personen:

Granvella, Nikolaus: GNDHagrid

Joachim II. von Brandenburg: GNDHagrid

Johann Friedrich d. Ä. von Sachsen: GNDHagrid

Karl V., Kaiser: GNDHagrid

Konstantin: GNDHagrid

Ludwig von der Pfalz: GNDHagrid

Manderscheid, Dietrich IV. von: GNDHagrid

Melanchthon: GNDHagrid

Neuenahr, Wilhelm von: GNDHagrid

Philipp von Hessen: GNDHagrid

Weeze, Johann von: GNDHagrid

Orte:

Schmalkalden: GeonamesHagrid