M. an Hieronymus Kammermeister in Bamberg. - [Wittenberg], 13. August 1545

[1] Der leiderfahrene [⇨ 530; 1594.1] K. weiß, daß Unglück durch Härte verschlimmert, durch Nachgiebigkeit gemildert werden kann, und wie die Himmelskörper durch Spannung im Gleichgewicht gehalten werden, muß man auch den Kindern vom eigenen Recht etwas nachgeben, was schon vielen Familien zum Wohle gereichte.

[2] Der Tübinger Jurist Caspar [Volland] hat sein reiches Mündel einen armen Jüngling heiraten lassen, obwohl er selbst für sie einen reichen adligen Verwandten vorgesehen hatte.

[3] K.s Bruder [Joachim Camerarius] erzählte M. etwas von K.s Tochter, das auch ihn betrübte. Dennoch rät er, ihrem Heiratswunsch nachzugeben, und zwar nicht, weil M. von Natur aus weich ist, sondern weil ein erzwungener Verzicht auf ihren Verlobten ihr die innere Freiheit zum Gebet nehmen würde.

[4] Die Barmherzigkeit steht über dem Recht. M. bittet K. nachzugeben, obgleich er aus eigener Erfahrung [bei ⇨ 3417; ⇨ 3436; ⇨ 3909.3] K.s väterlichen Zorn verstehen kann.

Fundort:
CR 5, 832f Nr. 3250; O fehlt. ‒ MBW.T 14.

Normdaten
Personen:

Camerarius, Joachim: http://d-nb.info/gnd/118518569

Kammermeister, Hieronymus: http://d-nb.info/gnd/13570751X

Melanchthon: http://d-nb.info/gnd/118580485

Volland, Caspar: http://d-nb.info/gnd/119861380