Martin Bucer an M. [in Wittenberg]. - [Straßburg], 11. Januar 1549

[1] Gebet um Erleichterung.

[2] Weil die [Straßburger] seit der Rückkehr des [Johannes] Sturm [⇨ 5327.6] außer über einen Landtag zu Leipzig nichts über die Lage in Sachsen erfuhren, schicken sie diesen Boten [NN].

[3] Die Bürgermeisterwahl in [Straßburg] war schwierig. Etwa 50 reiche Bürger verließen aus Furcht vor der Acht die Stadt, als der Kaiser in Speyer war. Die restlichen Reichen drohen damit, weil das Interim noch nicht eingeführt ist. Die vielen Rechtgläubigen sind gleichsam ohne Hirten; verstorbene [Geistliche] konnten nicht angemessen ersetzt werden. Der Rat veränderte bisher in Lehre und Riten nichts. Doch sein Versuch, von Bf. [Erasmus von Straßburg] und Domkapitel gegen Teilzugeständnisse die rechtgläubige Betreuung der Pfarreien zu erwirken, scheiterte. Nun herrschen Unsicherheit und Angst. Einige sind entschlossen zu gehen, wenn etwas geändert wird.

[4] Über die Lage in der Schweiz: Mutige Antwort von Zürich, Bern, Basel und Schaffhausen über das Konzil. Von Bern wird der anläßlich der Entsetzung Genfs annektierte Teil Savoyens [das Waadtland] zurückverlangt; man befürchtet, daß Bern von den evangelischen Bundesgenossen im Stich gelassen wird. [Kg. Heinrich II.] von Frankreich wird sich ihnen vielleicht anschließen, weil er gefährdet ist, u. a. durch einen Aufstand in Saintes bei Bordeaux [⇨ 5418.3].

[5] In Württemberg versuchte Hz. [Ulrich], durch Zulassung von Messen dem Volk die [evangelischen] Prediger zu erhalten, mußte sie aber entlassen; er hilft ihnen dennoch. Ihm droht der Verlust seines Landes an Kg. Ferdinand.

[6] Rüstungen des Kaisers für Savoyen gegen Frankreich und Bern und in den Niederlanden für [Philipp von Spanien]. Spanier in Württemberg, wo Kirche und Staat verwüstet sind.

[7] Hz. [Wolfgang] von Zweibrücken und Gf. [Philipp IV.] von Hanau[-Lichtenberg] öffneten den Bischöfen die Kirchen. Es herrscht jedoch Mangel an [katholischen] Priestern; außerdem kennen sie den Interimskult nicht, wie [Bf. Philipp] von Speyer dem Hz. von Zweibrücken antwortete, oder sie werden wegen ihres anstößigen Lebenswandels gemieden, den ein hoher Würdenträger [Nikolaus Granvella?] neulich tadelte.

[8] Bei Annahme des [Interims] in [Straßburg] bleibt den Predigern nur das Exil. Gedenken an die gefangenen Ulmer [Martin Frecht u. a., ⇨ 5284.8]. Die mehr als 18jährige Kerkerhaft eines unbeugsamen Meißners [NN].

[9] Der Stand [der Reformation] in England ist B. nicht bekannt.

[10] Michael [Meienburg] schrieb an Jakob [Sturm] über [Caspar] Crucigers Tod und Besorgniserregendes über M.s Befinden. Er schickte auch Melchior Isinders Disputation und Promotionsrede [⇨ 5347.2].

[11] [Johannes Brenz] hat dieser Tage Basel verlassen. Seine Frau [Margarete] ist gestorben.

[12] Segenswünsche für Johannes Bugenhagen, [Georg] Maior, Paul [Eber] und [Jakob] Milichius.

Fundort:
CR 7, 301-306 Nr. 4461 (sehr fehlerhaft); Text weitgehend nach der Abschrift: Zwickau RSB, Ms. LXX, f. 2r-9r; vgl. auch O. Waltz: ZKG 2 (1878), 176 Anm. 1 [H 2209]. ‒ MBW.T 19.
Nachtrag:
Regest zu berichtigen: [8] ... Die mehr als 16jährige (nicht: 18jährige) Kerkerhaft eines unbeugsamen Meißners [NN]. ... [11] Hz. Christoph [von Württemberg] hat [Johannes] Brenz aus Basel abgeholt. ...

Normdaten
Personen:

Brenz, Johannes: GND Hagrid

Bucer, Martin: GND Hagrid

Bugenhagen, Johannes: GND Hagrid

Cruciger, Caspar: GND Hagrid

Eber, Paul: GND Hagrid

Ferdinand: GND Hagrid

Frecht, Martin: GND Hagrid

Granvella, Nikolaus: GND Hagrid

Hanau-Lichtenberg, Philipp IV. von: GND Hagrid

Heinrich II. von Frankreich: GND Hagrid

Isinder, Melchior: GND Hagrid

Karl V., Kaiser: GND Hagrid

Limpurg, Erasmus Schenk von, Bf. von Straßburg: GND Hagrid

Maior, Georg: GND Hagrid

Meienburg, Michael: GND Hagrid

Melanchthon: GND Hagrid

Milichius, Jakob: GND Hagrid

Philipp von Spanien: GND Hagrid

Sturm, Jakob: GND Hagrid

Sturm, Johannes: GND Hagrid

Wolfgang, Pfgf. von Zweibrücken-Veldenz: GND Hagrid

Orte:

Straßburg: Geonames Hagrid

Wittenberg: Geonames Hagrid