Georg von Amsdorf an Nikolaus von Amsdorf, [Bf. von Naumburg in Zeitz]. Vf. M.
- [Wittenberg, Ende August 1545]
[1] G. läßt den [Zeitzer] Boten nicht ohne Brief an seinen Onkel abgehen, zumal es viele Neuigkeiten gibt.
[2] Kaiser Karl wolle in Metz überwintern, um dort die [Reformation] zu verhindern, und um in der Nähe [des Hzt.] Lothringen zu sein, weil er nach dem Tod des Hz. [Franz I.] von Lothringen Vormund des kleinen Hz. [Karl] ist.
[3] Bei Bremen liegen etwa 10000 Söldner. Holstein und Hamburg möchten sie vertreiben.
[4] Die deutschen [protestantischen] Reichsstädte sollen Gesandte zu Kg. [Franz I.] von Frankreich und Kg. [Heinrich VIII.] von England geschickt haben, um einen Frieden herbeizuführen.
[5] In Frankreich wüten Hunger, Pest, Krieg und Verfolgung der Evangelischen. Hungersnot in Italien. Beginnende Teuerung in [Sachsen]. Gebet.
Fundort:
CR 7, 1122f Nr. 5255; Adresse in der Abschrift Jena UB, Ms. Bos q 24u, f.165r mit 163r, vgl. B.Willkomm: ARG 24 (1927), 11.
‒ MBW.T 14.
Datierung:
Datum: Hz. Franz I. von Lothringen (geb. 23.8.1517), der seinem am 14.6.1544 verstorbenen Vater Anton II. (geb. 4.6.1489) nachgefolgt war, starb schon am 12.6.1545. Er war seit 10.7.1541 mit Christine von Dänemark, einer Nichte des Kaisers, verheiratet, die am 18.2.1543 den Thronerben Karl III. gebar. Die Truppen bei Bremen werden am 26.9.1545 als bekannt vorausgesetzt und mit Hz. Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel in Verbindung gebracht (4023.2); in 4000 ist ihre Anwesenheit eine Neuigkeit. Für einige Zeit davor spricht auch 5, wo die Teuerung in Wittenberg, die am 26. und 28. August schon Wirklichkeit ist (3997.1; 3998.2), noch als beginnend bezeichnet wird. Über die Gesandtschaften des Schmalkaldischen Bundes nach England und Frankreich wurde schon im Juli eifrig verhandelt. Die erstere wurde am 6. August instruiert (Pol. Corr. Straßburg 3, 618f Nr. 588 Anm.5), die andere am 27. August (ebd. 3, 625f Nr. 593 und 635-639 Nr. 604; vgl. auch Mentz, Johann Friedrich 3, 521-524 Nr. 59). Da G. nach seiner Rückkehr aus Zeitz erstmals am 19. August an seinen Onkel schrieb (3990), ist 4000 danach geschrieben, jedoch nicht sehr viel später.
Nachtrag:
Datum Z.4: Karl II. von Lothringen (nicht III.).