M. an Kf. Johann Friedrich von Sachsen. Dt. - Bonn, 6. Juni [1543]

[1] M. hat das Schreiben [3254] heute erhalten. In Brühl trafen sich von 3.-5. Juni Kf. [Hermann] von Köln und Hz. [Wilhelm von Kleve-]Jülich in Gegenwart von Gf. Wilhelm von Nassau[-Dillenburg], Gf. Wilhelm von Neuenahr, Gf. [Dietrich IV.] von Manderscheid und M., den der Eb. am 2. Juni instruierte. Die Gff. von Nassau und Neuenahr, vor allem aber der Eb. von Köln mahnten den Hz. von Jülich zur Kirchenreform, worauf dieser zustimmte.

[2] M. hat mit dem Hz. eine Stunde lang im Beisein des kurkölnischen Rates Dr. [Jakob Omphalius?] gesprochen.

[3] Der Eb. wünscht eine echte Reformation. Die [Kirchenordnung, ⇨ 3239.1] wird in 14 Tagen den Landständen vorgelegt werden. Nur die Kölner Geistlichkeit sperrt sich. Doch aus dem Domkapitel fördern das Evangelium der Dekan Gf. [Heinrich] von Stolberg, der [Wild- und] Rheingraf [Jakob], Pfgf. Richard [von Simmern] und Gf. [Friedrich] von Wied. Matthias Held ist in Köln und arbeitet dagegen.

[4] Der Eb. von Köln will dem Hz. von Jülich seine „Reformation“ [⇨ 3239.1] schicken. M. wird möglicherweise vom Hz. berufen. Die Haltung des jülichischen Kanzlers [Johannes] Gogreff ist zwiespältig. Eine Bittschrift Bucers und M.s für das Nonnenkloster Fröndenberg wurde vom Hz. mündlich wohlwollend beschieden, während der Kanzler die schriftliche Antwort verzögerte. Der Prediger [NN] von [Mönchen-]Gladbach ist schlecht. Der Hz. würde gern zum Kf. reisen.

[5] Zeitungen aus Paris anbei [§ 9].

[6] In Köln wurde ein Buch gegen Bucer veröffentlicht [⇨ 3250.2]. M.s Responsio [⇨ 3261.3] ist im Druck. Der Kf. und Lgf. [Philipp von Hessen] mögen beim Kölner Rat intervenieren.

[7] Dem Arzt Gisbert Longolius wurde das Begräbnis in Köln verweigert, weil er das Abendmahl vollständig empfangen hatte. Die Kölner Geistlichkeit macht sich unbeliebt.

[8] Eb. [Christoph] von Bremen trug bei der Fronleichnamsprozession in Antwerpen gerüstet die Monstranz.

[9] Zeitung aus Paris.

[9.1] Gegen Verkündigung des Evangeliums erhoben die Theologen den Vorwurf der lutherischen Ketzerei. Verkaufsverbote für das Neue Testament und religiöse Bücher in der Volkssprache.

[9.2] Der vorübergehend verhaftete Pfarrer [NN] von Ste. Croix blieb nach einer Disputation vor Kg. [Franz I.] von Frankreich über das Fegfeuer und nach seiner Verantwortung vor allen Theologen im „Hohen Stift“ [Notre Dame] am 30. April bisher unbehelligt.

Fundort:
L. Keller: Evangelisches Gemeindeblatt für Rheinland und Westfalen 1 (1884/85) Nr. 7 (15. 2. 1885), Sp. 63-65 [H 2305]; MSA 9, Nr. 440. Beide Drucke ohne § 9, der separat bei dem Autograph liegt: Weimar SA, Reg. C, Nr. 891, f. 22r-28v. ‒ MBW.T 12.
Nachtrag:
§ 9.2: Pfarrer [François Landry?].

Normdaten
Personen:

Bucer, Martin: GND Hagrid

Christoph von Braunschweig, Eb. von Bremen: GND Hagrid

Franz I. von Frankreich: GND Hagrid

Gogreff, Johannes: GND Hagrid

Held, Matthias: GND Hagrid

Johann Friedrich d. Ä. von Sachsen: GND Hagrid

Longolius, Gisbert: GND Hagrid

Manderscheid, Dietrich IV. von: GND Hagrid

Melanchthon: GND Hagrid

Nassau-Dillenburg, Wilhelm von: GND Hagrid

Neuenahr, Wilhelm von: GND Hagrid

Omphalius, Jakob: GND Hagrid

Philipp von Hessen: GND Hagrid

Simmern, Richard von: GND Hagrid

Stolberg, Heinrich von: GND Hagrid

Wied, Friedrich von: GND Hagrid

Wilhelm von Kleve-Jülich: GND Hagrid

Orte:

Bonn: Geonames Hagrid