[1] Der Kongreß ist ein Hinterhalt. Es geht nicht um kirchliche Eintracht, sondern als Ersatz für das gescheiterte päpstliche Konzil um Verurteilung der [Evangelischen], deren schlimmste Feinde hergebracht wurden, wie beiliegende Teilnehmerliste [Vorform von WAB 9, 258-261 mit 256f Anm.1] zeigt. Den Vorstandssitz des [verstorbenen Eb. Johann III.] von Trier wird [Eb. Albrecht] von Mainz [und Magdeburg] einnehmen, der damit drei Stimmen haben wird. [Nikolaus] Granvella kommt nicht der Versöhnung wegen, sondern weil ihm Hoffnung auf den Abfall einiger [insbesondere des Lgf. Philipp von Hessen] gemacht wurde.
[2] Bei angemessener Seelengröße der [Schmalkaldischen Fürsten] könnten diese Schwierigkeiten gemeistert werden. Goslar wurde geächtet, mitten im Frieden; doch was unternimmt man dagegen? Aus Rom kommt [Tommaso] Campeggio mit dem Magister Sacri Palatii [Tommaso Badia] und dem Pariser Gelehrten Pierre Danès (dessen Schriften M. kennt). Diesen muß die Protestatio über die Papstgewalt [⇨ 2533] entgegengehalten werden. M. befürchtet schon hier eine Spaltung der [evangelischen Stände], obgleich die Theologen in der Lehre einig sind.
[3] Aus Nürnberg sind Wenzeslaus [Linck] und [Andreas] Osiander anwesend; M. erklärt deren verzögerte Einladung [⇨ 2532.3].
[4] Gerüchte über Kg. [Franz I.] von Frankreich, die Türken u.a., auch Kg. [Heinrich VIII. von England]. Granvella ließ in Besanon einen evangelischen Prediger [Enders 13, 201f Anm.16] hinrichten. Gebet.