M. an Jakob Micyllus [in Frankfurt/Main]. - [Wittenberg, 2. Hälfte Oktober 1530]

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[1] [Konrad] Nesen übermittelte die Bitte des Mic. um einen Bericht über den Augsburger Reichstag. Da der kaiserliche Abschied [⇨ 1091.2] nicht angenommen wurde [Förstemann 2, 478-483 Nr. 207f], bleiben Lehre und Bräuche wie zuvor.

[2] Nach Verlesung der Confutatio [⇨ 1009] wurde im Ausschuß ein Kompromiß erarbeitet: Gegen Anerkennung der bischöflichen Jurisdiktion und adiaphorischen Ordnungen sollte die Lehre der CA samt Laienkelch, Priesterehe und evangelischer Messe garantiert werden [⇨ 1062.4].

[3] M. bedauert die Ablehnung dieses Vorschlags und verwahrt sich gegen die Verleumdung des Abfalls, die zuerst Bucer verbreitete.

[4] Der kaiserliche Abschied spricht von Widerlegung der CA und verlangt Unterwerfung bis April. Willfährigen Fürsten wurde Aufschub bis zum Konzil zugesagt. ⇨ 2586

Fundort:
Bds. 518-520 Nr. 541; MSA 7/2, 312-314 Nr. 235. ‒ MBW.T 4.
Datierung:
Datum: Da M. die Abreise aus Augsburg erwähnt und ihm Micylls Wunsch durch Konrad Nesen schwerlich unterwegs, sondern mündlich in Wittenberg überbracht wurde, ist dieser Brief nach der am 11. Oktober (WA 32, 127.20; ebd. S. LXX falsch aufgelöst) erfolgten Rückkehr nach Wittenberg abgefaßt, wahrscheinlich mehrere Tage danach.
Nachtrag:
Zu § 1: Verweis auf 1091.2 falsch; der gemeinte kaiserliche Abschied ist der erste vom 22. September 1530 (dazu MBW T.4, S.722 App. Q zu Z.4f).

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