Willibald Pirckheimer an M. [in Wittenberg].
- [Nürnberg, nach 16. April/Mai 1525]
[1] P. erbittet M.s Rat und Hilfe in folgender Situation: Im [Nürnberger] Klarakloster sind zwei Schwestern P.s [Caritas und Klara] und zwei seiner Töchter [Katharina und Crescentia], die von ihrer Tante, der Äbtissin [Caritas P.], mit Zustimmung P.s, der dies heute als Irrtum erkennt, zum Eintritt bewegt worden waren.
[2] Die Nonnen unterstanden den Franziskanern, bis der [Nürnberger] Rat dies verbot. Selbst Beichtväter zu wählen, untersagte ihnen der Rat; die von ihm angebotenen [die Augustinermönche Karl und Dorß oder Dorfer und der Weltpriester Johannes Seubold], die auch P. für unwürdig hält, wurden von den Nonnen abgelehnt, die seither Beichte und Eucharistie entbehren.
[3] Die Prediger [Johannes Poliander, Dominicus Schleupner, Sebastian Fürnschild, Andreas Osiander, Georg Koberer] bewirkten weitere Verhärtung und hetzen nun das Volk gegen sie auf,
[4] mit dem Ergebnis, daß sie belästigt werden, auch von Frauen, deren Kindern sie Liebe erwiesen haben, und eine Plünderung des Klosters nicht mehr auszuschließen ist. Täglich leben sie in Furcht. M. würde vom Anblick dieser Gemeinheiten erschüttert werden.
Fundort:
Suppl. 6/1, 296f Nr. 421; J. Pfanner, Caritas Pirckheimer-Quellensammlung 3 (1966), 269-271 Nr. 171; G. Pfeiffer, Quellen zur Nürnberger Reformationsgeschichte (1968), 435f Br. 252.
‒ MBW.T 2.
Datierung:
Datum: Die Formulierung „per totam igitur Quadragesimam ad hunc usque diem“ deutet darauf hin, daß der Brief nicht allzulange nach Ostern, jedenfalls vor Pfingsten, geschrieben ist. P.s Schilderung umfaßt den Kampf um die geistliche Betreuung der Nonnen ab 19. 3. 1525 (Caritas P., Denkwürdigkeiten Kap. 13: Pfanner l.c. 2, 1962, 25ff), den Mißerfolg der verschiedenen Prediger (Kap. 24), die Verhandlungen um den von den Nonnen gewünschten Beichtvater Konrad Schröter bis 17. 4. (Kap. 24-27) und die Belästigungen und Ängste zwischen Ostern und Pfingsten (Kap. 28). Von dem am 7. Juni überbrachten Ansinnen auf Säkularisation (Kap. 30-32) und von der am 14. Juni erfolgten Entführung dreier Nonnen als Gipfel der vorangehenden Auseinandersetzungen (Kap. 29 und 33f) ist jedoch nicht die Rede. Die allgemeine Spitze gegen Frauen, die sich in die Politik einmischen, findet hinreichende Begründung etwa in der Szene, die des Klosterpflegers Caspar Nützel Gattin am 24. März bei den Klarissen aufführte (Kap. 17), oder in dem Auftreten der Frauen des Hieronymus Ebner und des Sigmund Fürer am 7. April (Klara P. an P., 8. 4. 1525: Pfanner 3, 208-210 Nr. 122); alle drei Frauen waren übrigens an jener Entführung beteiligt, ihre Männer hatten dem Staupitzkreis angehört. Clemens Datierung ist also zu spät; auch der 21. April (Suppl. Anm. 4) ist kein terminus post, denn die fragliche Stelle handelt nicht vom Verbot der Messe, sondern vom Boykott von Beichte und Kommunion durch die Nonnen. — Ob P. seinen Brief, der als unvollendetes Konzept überliefert ist, abschickte, erscheint fraglich.
Personen:
Ebner, Hieronymus: GND Hagrid
Fürer, Sigmund: GND Hagrid
Fürnschild, Sebastian: GND Hagrid
Koberer, Georg: GND Hagrid
Melanchthon: GND Hagrid
Nützel, Caspar: GND Hagrid
Osiander, Andreas: GND Hagrid
Pirckheimer, Caritas: GND Hagrid
Pirckheimer, Katharina: GND Hagrid
Pirckheimer, Klara: GND Hagrid
Pirckheimer, Willibald: GND Hagrid
Poliander, Johannes: GND Hagrid
Schleupner, Dominicus: GND Hagrid