M. an Hieronymus Baumgartner in Nürnberg. Vorrede zu: M., Commentarius de anima. Wittenberg, Peter Seitz, 1540. - Wittenberg, [Januar 1540]

[1] Wider die Verächter der Naturwissenschaften.

[1.1] Trotz der unbestreitbaren Unzulänglichkeit der einschlägigen Lehrbücher ist die Erkenntnis der Spuren Gottes in der Natur gottgewollt und von unerläßlichem Nutzen für das Leben.

[1.2] Die Skepsis führt zu Barbarei, und die Spötter haben nichts Besseres vorzuweisen.

[1.3] Die Machthaber überlassen diese Aufgabe Privatleuten.

[1.4] Die Anthropologie beginnt zwar mit banalen Beobachtungen, kommt aber ohne gelehrte Tradition nicht aus.

[1.5] Ihre theologische Relevanz (Gregor von Nyssa [De hominis opificio: MPG 44, 123-255; vgl. auch De anima: MPG 45, 187-222] empfehlenswert)

[1.6] und ihre Auswirkung auf die Frömmigkeit,

[1.7] insbesondere hinsichtlich Urstand, Sünde und Verheißung.

[1.8] Die Blindheit ihrer Verächter.

[2] Über das vorliegende Buch.

[2.1] Es ist ein Teil der von M. angeregten Physik-Vorlesungen des Jakob Milichius.

[2.2] Es soll im Vergleich mit anderen studiert werden, insbesondere mit [Ludwig] Vives [De anima et vita libri tres. Basel, Robert Winter, 1538], Velcurio [= Johannes Bernhardi, Epitome librorum Aristotelis de anima. Basel 1537] und Isennacensis [Jodocus Trutfetter: Quam Iudocus philosophiae naturalis summam elucubravit, eandem hoc libello comperies. Erfurt, Matthäus Maler, 1517].

[2.3] M.s Anlehnung an Aristoteles findet durch sein Christentum eine Grenze. Der Stil entspricht noch nicht seinen Absichten. Verbesserungen werden namentlich von Joachim Camerarius erbeten.

[3] Widmung an B.

[3.1] M.s Freundschaft mit B.

[3.2] Die politische Unordnung als Folge der seelischen.

[3.3] Die Förderung der Bildung ist der gebotene Dienst an der Kirche,

[3.4] der aber weitgehend vernachlässigt wird.

[3.5] B. soll sich weiterhin bei seinen Mitbürgern dafür einsetzen.

[3.6] M.s Geschenk ist weder dem Empfänger noch dem Thema adäquat.

[3.7] In der Ewigkeit wird der Schöpfer selbst die volle Erkenntnis schenken. Dann werden die Epikureer widerlegt sein.

[3.8] M.s gewissenhafte Traditionsverbundenheit.

Fundort:
CR 3, 907-914 Nr. 1910. ‒ MBW.T 9.
Datierung:
Datum: Am 12. 2. 1540 wurden die ersten Exemplare verschickt (⇨ 2368f). Über die lange Entstehungszeit dieses Buches vgl. bes. MBW 1985.6 und 2337.2.

Normdaten
Personen:

Aristoteles: http://d-nb.info/gnd/118650130

Baumgartner, Hieronymus: http://d-nb.info/gnd/116067128

Bernhardi, Johannes: http://d-nb.info/gnd/120707225

Camerarius, Joachim: http://d-nb.info/gnd/118518569

Gregor von Nyssa: http://d-nb.info/gnd/118541919

Maler, Matthäus: http://d-nb.info/gnd/131633104

Melanchthon: http://d-nb.info/gnd/118580485

Milichius, Jakob: http://d-nb.info/gnd/117041777

Trutfetter, Jodocus: http://d-nb.info/gnd/104235136

Vives, Ludwig: http://d-nb.info/gnd/118627295

Winter, Robert: http://d-nb.info/gnd/115830316