John Bale an Simon Sulzer [in Basel], Heinrich Bullinger [in Zürich], Johannes Calvin [in Genf] und M. [in Wittenberg]. Vorrede zu: John Bale, Acta Romanorum Pontificum. Basel, Johannes Oporinus, Juli 1558. - [Basel, vor Juli 1558]

[1] B.s Geschichte der Päpste ist zuvor zusammen mit seinem Werk Scriptorum [illustrium Maioris Brytanniae, quam nunc Angliam et Scotiam vocant,] catalogus [Basel, Johannes Oporinus,] erschienen und war Kf. Ottheinrich von der Pfalz gewidmet. Die erweiterte Separatausgabe widmet B. hiermit den Adressaten.

[2] Die Einteilung in drei Bücher entspricht den Epochen des Papsttums von den Aposteln bis Silvester I. (die Sterne in der Rechten Christi : Apk 1, 16), von diesem bis Bonifatius III. (die fallenden Sterne: Apk 6, 13) und von diesem bis Paul IV. (die gefallenen Sterne: Apk 9, 1).

[3] Die dritte Epoche wird in fünf Abschnitte geteilt und ebenfalls zur Apokalypse in Beziehung gesetzt: Bonifatius III. bis Johannes VIII., bis Silvester II., bis Innozenz IV., bis Julius II., bis Paul IV. Ihre Bewertung mittels der vier Pferde von Apk 6. Das Ende des Papsttums nach 2 Thess 2 und Dan 8.

[4] B.s Leistung beschränkt sich auf Sammlung, Abschrift und Gliederung des Stoffes, den er von Damasus, Carsulanus, [Bartolomeo] Platina, [Johannes] Stella, [Georg] Witzel u.a. übernommen hat.

[5] Freunde gaben den Anstoß zur Separatausgabe. B. ist von der Absicht getrieben, die Bosheit des Antichrist zu entlarven.

[6] B. schreibt nicht aus Affekt, sondern aus Gewissensnot, denn als ehemaliger Würdenträger der Papstkirche [Karmeliter-Prior; Bf. von Ossory in Irland] kennt er die Laster der englischen Klöster und Stifte aus eigener Anschauung und aus den königlichen Visitationsprotokollen. Die der römischen Kurie sind aus der Literatur und durch Augenzeugen bekannt.

[7] England als trauriges Beispiel. Wyclif entlarvte als erster den Antichrist. Kg. Heinrich VIII. und Kg. Edward VI. vertrieben ihn. Kgn. Maria nahm ihn, von [Reginald] Pole angestiftet, wieder auf. Die Adressaten sollen für England beten, damit das Papsttum untergeht.

[8] Hiermit hat B. sein Thema und seine Motive erläutert.

[9] Die Widmung gilt den gemeinsamen Verteidigern des christlichen Glaubens. B. erinnert an Luthers, Zwinglis und Oekolampads Verdienste um die Kirchenreform. Er ist dankbar für die von den [reformatorischen] Kirchen empfangene Lehre, die bis nach England gelangte. Den Adressaten sind alle englischen Reisenden und Exulanten für ihre Hilfe zu tiefem Dank verbunden, wie B. im Folgenden darlegt.

[10] Alle Besucher und Studenten Wittenbergs preisen die Stadt und namentlich M.s Entgegenkommen. M. hat dem Rat von Wesel Mäßigung gegen die englischen [Flüchtlinge] empfohlen [⇨ 8022f] und den Frankfurtern geschrieben B. kennt diesen Brief [8271] , sie sollen die durchaus rechtgläubigen Engländer nicht vertreiben. Dieses Votum M.s wird auch die verwandten Städte Straßburg, Basel, Aarau, Zürich, Genf und Emden wohlwollend stimmen.

[11] Für Basel, wo B. lebt, möchte er, um nicht als Schmeichler zu erscheinen, nur die Namen nennen von Sulzer, Wolfgang Wissenburg, Martin Borrhaus [Cellarius], Johannes Junius, Marcus Bersius [Marx Bertschi], Jakob Truckenbrot, Konrad Lycosthenes, Ulrich Coccius, Thomas Gyrenfalck, Johannes Übelhard, Sebastian Lepusculus, Severin Erimontanus [Erzberger], Johannes Mäder und Johannes Brandmüller.

[12] Zürich ist der Hort aller Flüchtlinge und die hohe Schule der gelehrtesten Theologen. B. preist Bullinger, [Theodor] Bibliander, Rudolf Gualther, Konrad Gesner, Josias Simler und Johannes Wolf. Petrus Martyr [Vermigli] und Bernardino Ochino fanden Aufnahme, viele Engländer Unterstützung. Auch B. hat Bullingers Gastfreundschaft erfahren, und John Parkhurst berichtete, was er ihm, Gualther und der ganzen Stadt verdankt. Die jetzt in Basel Weilenden erzählen, was sie an materieller Hilfe erfahren haben.

[13] In Genf ist durch die Aufnahme der Fremden aus aller Welt ein neues Paris, London, Frankfurt entstanden. Dank sei Gott für die Bestellung Calvins zum Schirmherrn der Exulanten.

[14] Dankbarkeit und Empfehlung der [reformatorischen] Lehre. Segenswunsch.

Fundort:
Bale, l.c. Bl.*2a-7a.
Datierung:
Datum: Der Erstdruck erschien im Juli 1558. Die Vorrede wurde zuletzt gedruckt; vgl. Hammer Bd.3, A159ba.

Normdaten
Personen:

Bale, John: GNDHagrid

Bertschi, Marx: GNDHagrid

Bibliander, Theodor: GNDHagrid

Bonifatius III.: GNDHagrid

Brandmüller, Johannes: GNDHagrid

Bullinger, Heinrich: GNDHagrid

Calvin, Johannes: GNDHagrid

Carsulanus: GNDHagrid

Coccius, Ulrich: GNDHagrid

Damasus: GNDHagrid

Edward VI. von England: GNDHagrid

Erzberger, Severin: GNDHagrid

Gesner, Konrad: GNDHagrid

Gualther, Rudolf: GNDHagrid

Heinrich VIII. von England: GNDHagrid

Innozenz IV., Papst: GNDHagrid

Johannes VIII.: GNDHagrid

Julius II.: GNDHagrid

Junius, Johannes: GNDHagrid

Lepusculus, Sebastian: GNDHagrid

Luther, Martin: GNDHagrid

Lycosthenes, Konrad: GNDHagrid

Maria von England: GNDHagrid

Melanchthon: GNDHagrid

Ochino, Bernardino: GNDHagrid

Oekolampad, Johannes: GNDHagrid

Oporinus, Johannes: GNDHagrid

Ottheinrich von der Pfalz: GNDHagrid

Parkhurst, John: GNDHagrid

Paul IV., Papst: GNDHagrid

Platina, Bartolomeo: GNDHagrid

Pole, Reginald: GNDHagrid

Silvester I.: GNDHagrid

Silvester II.: GNDHagrid

Simler, Josias: GNDHagrid

Stella, Johannes: GNDHagrid

Sulzer, Simon: GNDHagrid

Vermigli, Petrus Martyr: GNDHagrid

Wissenburg, Wolfgang: GNDHagrid

Witzel, Georg: GNDHagrid

Wolf, Johannes: GNDHagrid

Wyclif, John: GNDHagrid

Zwingli, Ulrich: GNDHagrid

Orte:

Basel: GeonamesHagrid

Genf: GeonamesHagrid

Wittenberg: GeonamesHagrid

Zürich: GeonamesHagrid