M. an Valentin Korte in Lübeck.
- [Wittenberg], 21. Juli 1548
[1] Das Augsburger [Interim] sollte nicht die Konfessionen vereinigen, sondern die [evangelische] Kirche vernichten. Die Vertreibung von sieben Geistlichen aus Regensburg, von [Johannes] Brenz aus Schwäbisch Hall und von [Wolfgang] Musculus aus Augsburg beweist es. Kardinal [Otto Truchseß von Waldburg] errichtete in Augsburg ein Siegesmal, auf dem er Kaiser Karl für die Wiederherstellung der Einheit dankt.
[2] M. wird das Augsburger [Interim] nicht gutheißen und ermahnt die Pfarrer, die Irrlehren nicht anzunehmen und ihre Entscheidung von der der Politiker zu trennen, die oft an dem neuen Zustand Gefallen finden.
[3] Doch sollen in den Städten die evangelischen Bürgermeister und Ratsherren ermahnt werden, sich nicht den Feinden des Evangeliums anzuschließen. Die Annahme des Augsburger [Interims] verpflichtet zur Unterdrückung der Wahrheit. Die Gefahren soll man Gott anheimstellen, der die Kirche erhält. Die wahre Lehre und die Ruhe der Gemeinden zu schützen, ist kein Aufruhr.
[4] Die [kursächsischen] Kirchengemeinden sind unverändert. Der Meißner Landtag sprach sich gegen das Augsburger [Interim] aus. M. hofft auf die Standhaftigkeit Niedersachsens und auf die Eintracht der Pastoren.
Fundort:
CR 7, 75-77 Nr. 4301; K.Th.Hergang, Das Augsburger Interim (1855), 204f [H1872]; vgl. O.Waltz: ZKG 2 (1878), 180 [H2209].
‒ MBW.T 18.