M. an Johannes Agricola in Eisleben.
- [Wittenberg, 22. Oktober 1533]
[1] M. dankt für einen Brief A.s, den auch Luther [WAB 6, 543f Nr. 2061] und Jonas beantworten wollen. Das Evangelium ist nicht nur von Schwärmern [2-5] bedroht. M. kritisiert die [kursächsische] Politik gegenüber Erfurt, insbesondere daß [Kf. Johann Friedrich] zu sehr dem unheilvollen Einfluß [seiner Räte] unterliegt.
[2] Ausführliche Auskunft über [Georg] Witzel, mit dem M. und Jonas vor vier oder mehr Jahren einen Streit über seine politischen und theologischen Lehren ausgetragen haben, die M. mit denen des [Johannes] Campanus in Verbindung bringt.
[3] M. erörtert insbesondere Witzels Rechtfertigungslehre im Verhältnis zu der Luthers und des Erasmus
[4] und nennt seine Abendmahlslehre zwinglianisch.
[5] M. will von [Justus] Menius die Geschichte des [Jakob] Straußischen Aufruhrs, der großenteils durch Witzel entfacht worden sein soll.
[6] Über M.s größte Sorgen [1] mündlich.
Fundort:
CR 2, 677-680 Nr. 1137.
‒ MBW.T 5.
Datierung:
Datum wie Luthers Brief.
Nachtrag:
Regest 1: Der Brief des Jonas an A. vom 22.10.1533 abschriftlich in Nürnberg StB, Strob. Ms. 38, f.118r. - 2 ausführlicher: M. hält [Georg] Witzel für einen echten Scholastiker ohne Urteilsvermögen. Vor vier oder mehr Jahren war M. mit ihm in Streit geraten. Witzel hatte ihm und Jonas zwei Schriften geschickt [⇨ 803a], einen Entwurf für eine politische Neuordnung und einen Kommentar zur Apostelgeschichte, die er für das Vorbild seiner Utopie hielt. M.s sanfte Ermahnung [803b] erregte Witzels Haß [⇨ 803c]. Seine Klage über M. ist auch in den Büchern des [Johannes] Campanus zu finden. - Fundorte: Teildruck bei J.Beumer: Theologie und Philosophie 43 (1968), 503f [H4219]; vgl. Pollet, Pflug-BW 1, 177 Anm.1 und 2.