M. an Joachim Camerarius in Nürnberg. - [Augsburg], 31. August [1530]

[1] Veranlaßt durch C. verteidigt M. seine Haltung bei den Reichstagsverhandlungen: Abgesehen von rein privaten Gesprächen, zu denen aber seit C.s Abreise [⇨ 1023.1] keine Zeit mehr war, stand er bei all seinen Aktivitäten in Verbindung mit seinen Kollegen.

[2] Kritik erhob sich erst, als das Zugeständnis der bischöflichen Jurisdiktion bekannt wurde. M. versteht, warum die Städte dies nicht wollen, und er weiß, daß es nicht verwirklicht werden wird.

[3] Doch er selbst hält sie für entschieden besser als die [evangelischen] Synoden. Überdies wurden alle Zugeständnisse mit Luther vor dem Reichstag abgesprochen [875, 881, 883]. Um einen Krieg zu verhindern, würde M. noch mehr geben.

[4] Gestern stimmten [Kf. Johann] von Sachsen, Mgf. [Georg von Brandenburg-Ansbach] und [Hz. Ernst von Braunschweig-]Lüneburg der Restitution der [bischöflichen] Gewalt zu. Die hessischen [Räte] zögern; die Nürnberger Gesandten verbergen ihre Meinung, um sich nach [Lgf. Philipp] zu richten, wenn es für sie nützlich ist.

[5] M.s Ziel ist der Friede. Er hat dafür nichts Notwendiges preisgegeben. Vielmehr ist es ihm gelungen, Eck zum Eingeständnis der Rechtfertigung durch den Glauben zu zwingen. Bald mehr mündlich, denn der Kaiser steht in abschließenden Beratungen.

Fundort:
CR 2, 333-335 Nr. 877; MSA 7/2, 281-284 Nr. 218; Cod.I, 415. ‒ MBW.T 4.

Normdaten
Personen:

Camerarius, Joachim: GNDHagrid

Eck, Johannes: GNDHagrid

Ernst von Braunschweig-Lüneburg: GNDHagrid

Georg von Brandenburg-Ansbach: GNDHagrid

Johann von Sachsen: GNDHagrid

Karl V., Kaiser: GNDHagrid

Luther, Martin: GNDHagrid

Melanchthon: GNDHagrid

Orte:

Augsburg: GeonamesHagrid

Nürnberg: GeonamesHagrid